Im ersten Jahr im Fach Wirtschaftspsychologie haben wir uns mit verschiedenen Modellen und Denkansätzen beschäftigt, die menschliches Verhalten erklären – sowohl im persönlichen als auch im sozialen Kontext. Dabei standen unter anderem psychologische Effekte im Vordergrund, die unsere Entscheidungen beeinflussen, besonders in herausfordernden oder unsicheren Situationen.
Ein besonders einprägsames Beispiel war ein Denkfehler namens Survivorship Bias. Dieser entsteht, wenn man nur die sichtbaren Erfolge betrachtet und dabei all jene Fälle übersieht, die nicht erfolgreich waren. Das kann zu einer verzerrten Wahrnehmung führen, weil wichtige Informationen unbeachtet bleiben. Verdeutlicht wurde das durch ein Beispiel aus der Luftfahrt, bei dem nur die zurückgekehrten Flugzeuge analysiert wurden, ohne die Maschinen zu berücksichtigen, die nicht wieder landeten. Ich habe daraus mitgenommen, wie wichtig es ist, Daten vollständig zu betrachten und nicht vorschnell Schlüsse zu ziehen, nur weil man Erfolg sieht. Besonders in wirtschaftlichen Entscheidungen sollte man sich nicht nur auf Erfolgsgeschichten verlassen, sondern auch hinterfragen, welche Faktoren im Verborgenen liegen.

Ein weiteres spannendes Thema war das sogenannte Gefangenendilemma – ein klassisches Modell aus der Spieltheorie. Dabei geht es um zwei Personen, die unabhängig voneinander entscheiden müssen, ob sie kooperieren oder sich gegenseitig belasten. Obwohl es für beide am besten wäre, zusammenzuarbeiten, entscheiden sich viele aus Angst vor einem Nachteil für den egoistischen Weg – was letztlich beiden schadet. Dieses Gedankenexperiment hat mir verdeutlicht, wie schwierig es sein kann, Vertrauen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Gerade in Teams oder größeren Gruppen zeigt sich, dass gute Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und eine langfristige Denkweise notwendig sind, um wirklich effektiv zusammenzuarbeiten.
Diese Beispiele haben mir geholfen, nicht nur psychologische Zusammenhänge besser zu verstehen, sondern auch, wie relevant solche Denkmodelle im Alltag, in Organisationen oder wirtschaftlichen Entscheidungen sein können.
